Das Model ist Geschichte

Ich verstehe Männer nicht.

Ich habe dem Model gesagt, dass ich es besser finden würde, wenn wir uns erstmal nicht mehr treffen, weil ich Zeit für mich brauche und ich merke, dass es zwischen uns nicht so gut passt.

Wisst ihr was seine Antwort war?

„Ich habe auch etwas auf dem Herzen. Es tut mir Leid dass ich dich beim letzten Date nicht flachgelegt habe, aber ich habe die ganze Zeit daran gedacht wie schön du bist und das hat mich nervös gemacht.“

Und dann schrieb er: „Ich wollte mir gestern die Haare selber kürzen und hatte den falschen Aufsatz drauf. Ich brauche deswegen auch ein paar Tage für mich.“

Okay…

Schwarz

Ich habe noch eine Lebensweisheit für euch. Geht niemals in ein Möbelhaus, wenn ihr depressiv seid. Es könnte nämlich sein, dass ihr plötzlich der Meinung seid, dass schwarz total eure Farbe ist. Das ist genauso wie wenn man hungrig einkaufen geht, man sollte das vielleicht vermeiden.

Joa. Ich habe jetzt ein schwarzes Bett. Und eine schwarze Vase. Und eine dunkelgraue Decke.

Dracula lässt grüßen.

Es gibt zwei Sorten von Geheimnissen

Ein Tipp für alle, die noch nie ein Date nach einem Zahnarzttermin hatten.

Tut es einfach nicht.

Ich lasse mir ja nicht ohne Betäubung an den Zähnen rumbohren, also war mein halber Mund für die nächsten Stunden taub. Dann musste ich also 3 Stunden mit meinem Date (Ja, das Model) kuscheln bevor ich ihn küssen konnte, obwohl ich nur zum Küssen hingefahren war. Kuscheln, meine Güte. Bin ich eigentlich der einzige, der Nackenverspannungen kriegt, wenn er auf der Brust eines Mannes liegt und einen Film sieht? Das ist ja so scheiße unbequem. Außerdem… wisst ihr eigentlich wie das aussieht wenn ihr an einer Zigarette zieht, obwohl eure eine Gesichtshälfte taub ist?

Jedenfalls hat sich das Warten dann auch nicht wirklich gelohnt, er war dann doch sehr schüchtern und ich musste mich mit einem Brownie zufrieden geben, den ich ja auch erst dann essen konnte, als die Betäubung nachließ. Später gab es eine Situation, wo er auf mir lag als er mich küsste und er hat sich dabei doch ernsthaft mit seinem ganzen Gewicht auf mich gelegt. Das habe ich ja noch nie erlebt. Jede Zärtlichkeit die darauf folgte, ging in seinem Gewicht unter. Nicht dass er fett wäre, aber der Typ ist 1,90. Bitte keine 1,90 auf meinem Browniebauch. Kurz hatte ich sogar überlegt, ob das vielleicht ein Fetisch von ihm ist, aber Leute mit dieser Vorliebe liegen ja für gewöhnlich unten, also hatte ich das schnell ausgeschlossen.

Als er dann noch fragte, ob ich bei ihm übernachten wollte, hatte ich die Flucht ergriffen. Die ganze Nacht romantisch kuscheln, dafür bin ich nicht in der Laune.

Was bin ich eigentlich für eine Art Mensch, wenn mich andere Menschen nie sehr lange Zeit interessieren? Ich verliere sehr schnell das Interesse an jemandem. Es hält mich nirgendwo sehr lange, egal wer es ist. Mann, Frau. Leonardo DiCaprio. Ein Alien. Natürlich gibt es da einen Menschen der mich schon mal länger interessiert hat, sehr lange, und der mich auch immer noch interessiert, aber darüber möchte ich lieber nicht sprechen.

Eigentlich soll das hier kein Tagebuch von gescheiterten Beziehungen werden, aber ich glaube, ich sollte keine Pläne mehr machen wenn es ums Schreiben geht. Wenn man über sein Leben schreibt, dann schreibt das Leben die Zeilen und nicht man selbst, ich kann nicht vorher sagen was euch hier erwartet oder wie. Mir geht es im Moment ehrlich gesagt viel zu schlecht, um nach perfekten Worten für meine Gefühle zu suchen, das würde es im Moment nur noch schlimmer machen. Wenn ich nicht von meinen Gefühlen schreibe, dann schreibe ich davon, was ich mache. Was vielleicht aufs gleiche hinauskommt, nur weniger poetisch.

Zurück zu Beziehungen und dem Traurig sein. Am Ende landet man doch eh wieder ganz am Anfang. In seinen alten Mustern und Verhaltensweisen. Egal wie sehr man ausbricht, ob man sich grade mit einem Alien getroffen hat, man landet danach dann doch wieder bei denselben Menschen, zu denen man eine komische Beziehung hat. Oder mindestens bei Menschen, die das Potential haben, in einer mindestens genauso komischen Beziehung zu resultieren. Und wenn man selbstzerstörerisch ist, dann landet man auch wieder genau dort. Manchmal glaube ich, wir Menschen bewegen uns wie Planeten in Kreisen. Etwas verändert sich, aber man landet immer wieder an den gleichen Punkten. Besonders an den Abgründen. Wir lieben sie zu sehr. Ich glaube, jeder der ein Geheimnis hat, irgendetwas, was er keinem Menschen erzählt, der weiß wovon ich spreche. Man muss sein Geheimnis schon sehr doll lieben wenn es einem ausreicht, sich für immer komplett alleine daran zu erfreuen. Sowas muss ja mindestens so wertvoll wie ein bester Freund sein, wenn man keinen besten Freund mehr braucht, dem man das erzählen will.

Natürlich gibt es auch schöne Geheimnisse, Dinge über die man nicht spricht, weil man sie mit Schweigen beschützen und konservieren möchte. Niemand soll den Moment oder das Ding durch sein Mitwissen und sein Einmischen zerstören.

Aber so viele habe ich von der Sorte nicht.

Das Model hat mir Blumen geschenkt.

Ich hatte seinen technischen Rat benötigt, deswegen hatte wir uns verabredet, um zusammen zu Saturn zu gehen. Ich hatte es natürlich nicht als ein Date angesehen. Saturn. Das ist doch kein Date. Aber als wir uns dann getroffen hatten, stand er plötzlich mit einem Strauß Blumen vor mir. Ich wusste gar nicht was ich sagen sollte, konnte ihm aber auch nicht böse sein.

„Ich wusste nicht ob Blumen zu viel sind für das dritte Date. Da waren 7 Frauen im Blumenladen, die konnten mir das leider auch nicht beantworten.“

Jetzt weiß ich auch nicht was ich machen soll.

Morgentau im Bauch

Das Date, also das Model, hat mir gestern ein Video geschickt, um mir gute Nacht zu sagen – mit Kusshand. Ich überlege, ob ich ihn überhaupt nochmal treffen soll, aber nicht nur deswegen war ich heute so wortkarg, sondern weil ich heute auch einfach besonders traurig war, so als wäre in mir Winter geworden, als wäre ich mit Morgentau im Magen aufgewacht.

Ich sage ihm, dass ich müde bin, das muss als Erklärung dafür reichen, warum ich auf die Hälfte von dem was er mir schreibt nicht eingehe. Er hat gefragt, ob ich Sonntag zu ihm komme, um Pizza selber zu machen. Ich habe zugesagt, aber ich weiß noch nicht, ob ich wirklich hingehe.

Es liegt ja gar nicht an ihm, dass ich so bin, es liegt daran dass ich diese dunklen Tage habe. Dass ich dunkel bin. Ich bin manchmal so müde und traurig, dass ich gar nicht die positive Energie dafür aufbringe, ein längeres Gespräch zu führen.

„Du hast ein ehrliches Lachen, ich mag das.“, sagte das Model beim Date. Man, was der mir alles schon gesagt hat, das einzige was ich ihm gesagt habe war, dass ich ihn cool finde.

Tatsächlich hätte ich ihm schon das ein oder andere Kompliment machen können, aber ich spreche positive Eindrücke nicht gerne aus bei einem Mann. Fragt mich nicht wieso, aber wenn ich einem Mann Komplimente mache, ehrliche, finde ich das irgendwie sehr intim. Ich hätte ihm gerne gesagt wie gut er küsst, aber auch das hört sich in meinen Ohren zu verliebt an, also habe ich es gelassen.

Roboter mit Augen

„Wow, du bist kräftig, da komme ich ja gar nicht gegenan.“

Sagt mein Date grade, das zwar groß ist und auch nicht total unansehnlich, aber definitiv noch nie ein Fitnessstudio von innen gesehen hat. Er ist groß und schön, ein Osteuropäisches Model mit kühlem Teint und vollen Lippen. Auf Fotos wirkt er selbstbewusst, reif und ein bisschen arrogant, ich hielt ihn für eine gute schnelle Nummer, aber da hatte ich mich wohl getäuscht. Er ist nicht schüchtern, aber er hat keine Ahnung wie gut er eigentlich aussieht und wie man das einsetzt, was mich übrigens total schockiert. Er ist nicht unreif, aber irgendwie unschuldig.

Er ist leider einer von den Guten und will mich richtig kennenlernen. Ich will ihn nicht kennenlernen, ich will Ablenkung und Sex. Ich weiß dass er andere Absichten hat, spätestens als er gestern auf der Parkbank fragte, ob ich sein Herz schlagen hören kann, als ich mich an ihn lehnte, aber ich bin heute trotzdem bei ihm, weil er gut aussieht und ich auf gutaussehende Männer stehe. Sicher ist das Ansichtssache, aber ich finde selten jemanden wirklich schön. Erst dachte ich, dass ich ihn nicht gut riechen kann, aber eben habe ich herausgefunden, dass er ein merkwürdiges Kokosparfüm trägt. Finde ich persönlich ja sehr mutig.

Wir reden über Musik und den Namen der letzten Band die ich nenne, lässt er Alexa anmachen. Dann macht er Sternenlicht an, ein Licht das an der Decke aussieht wie eine Supernova, und jetzt küsst er mich. Er küsst gut. Das habe ich schon vermutet als wir uns gestern in der Dämmerung geküsst hatten, aber jetzt weiß ich es sicher. Der Mann beherrscht Techniken, frisst mich nicht auf und sabbert nicht.

„So wie du hat mich noch niemand geküsst.“, sagt er. Ich überhöre das und setze mich auf ihn rauf.

„Du hast schöne Beine.“

Langsam wird es mir zu viel mit den Komplimenten, außerdem sagte das mein Ex immer zu mir.

„Ist alles gut?“, fragt er mich. Was soll denn nicht gut sein? Ich knie mich vor ihn und will ihm die Hose aufmachen. Er wird plötzlich verlegen. Hinter mir springt seine Katze auf den Tisch, um sich auf den Rest veganer Pizza zu stürzen, gleichzeitig rempelt mich sein Staubsaugerroboter an, der aufgeklebte Augen hat. Er kommt aus einer langjährigen Beziehung und hatte danach auch nur wenige Dates. Also mein Date, nicht der Staubsauger.

Okay, das wird wohl nichts mehr mit einer schnellen Nummer. Ich stehe auf.

„Tut mir Leid, ich bin manchmal etwas trottelig.“, entschuldigt er sich.

Ich wünschte, er würde aufhören zu reden. Er macht nichts falsch, er hat nur noch nicht gecheckt, dass ich ein Arschloch bin. Und je mehr er redet, desto mehr tut er mir Leid, weil er an mich geraten ist, aber verändern tut es mich deswegen nicht. Ich bin halt eigentlich auch nur ein Roboter mit Augen.

I’m so sick of the monsters we’re fed

Mir geht es nicht so gut. Die Atmosphäre ist so wie ich mir das Leben in einer trockenen Regenwolke vorstelle und den Alltag hinzukriegen ist manchmal so beschwerlich, als würde ich durch Sand schwimmen oder er mir mindestens bis zum Hals gehen. Ein Meer aus Selbstmitleid. Aber ich will mich nicht bemitleiden, denn mir geht es viel öfter gut als schlecht und das war nicht immer so.