Viking

Manchmal lese ich um mir Inspiration einzuholen und dabei belustigt es mich immer wieder, was andere Menschen romantisch finden. Dort romantisiert man dann so etwas wie „Autofahrten bei Mitternacht“. Wenn ich nach Mitternacht in einem Auto sitze, dann ist es vermutlich nicht meins und ich bin wahrscheinlich betrunken, aber vielleicht stellen sich die meisten so das Ende eines wundervollen Dates vor, ich weiß es nicht. Ohne den Wagen vollzukotzen natürlich. Soll ich euch mal sagen was ich grade höchst poetisch und romantisch finde? Ein rostroter, gepflegter Bart an einem schönen Mann. Fragt mich nicht was der Auslöser dafür war, dass ich plötzlich Haare attraktiv finde und ich glaube ich möchte darüber auch gar nicht nachdenken. Ich rede mir einfach ein, dass ich von den Wikingern abstamme, vielleicht bin ich mal ein Seekönig gewesen.

Das Stresslevel von offenen Fenstern im Sommer

Ein häufiges Streitthema zwischen mir und meinem Freund sind Ungeziefer. Seine und meine Vorstellungen von dem Entfernen eben dieser gehen doch recht weit auseinander. Wir haben eine dicke Fliege bei uns und er reißt daraufhin echt das einzige Fenster ohne Fliegennetz auf.
„Soll jetzt noch eine Hornisse reinkommen oder was?“

„Nein, aber so kann sie rausfliegen.“

„Sprichst du fliegisch?“

„Nein?“

„Und wie willst du ihr sagen dass da die Tür ist?“

„Das findet sie schon.“

Tut sie nicht. Gleich sind hier seine Freunde, eine Springspinne, ne Drohne, und eine Menschengroße Fledermaus drin, ich sage euch das.

„Es gibt gar keine Springspinnen.“

Aber der Rest ist okay?

Ein Heulpullover fürs Universum

Ich trage grade meinen Heulpullover. Haben sowas fröhliche Menschen auch? Einen Heulpullover? Haben sowas traurige Menschen? Ich habe jedenfalls einen, weil ich in diesem Pullover nun schon zweimal geheult habe. Ich hab ihn gestern angezogen, dann musste ich heulen und hatte ihn ausgezogen, weil ich mich warm geheult hatte. (Machen fröhliche Menschen das,… machen traurige Menschen das?) Heute war mir wieder nach Weinen und jetzt trage ich ihn während ich Hibiskus-Pfirsich Eistee trinke, und der rote Nagellack an der Hand trocknet, mit der ich sie festhalte. Ich bin nicht zufrieden mit dem Nagellack, habe mir das alles ganz anders vorgestellt. Mein Leben irgendwie auch.

Das war ein Beispiel dafür, wie depressiv mich Nagellack an solchen Tagen machen kann. Wie wirklich alles wieder in meinem Gedankenstrudel endet. Ich möchte schnell einschlafen, damit dieser Tag vorbei ist und gleichzeitig will ich es nicht, denn umso schneller kommt ein neuer Tag, auf den ich gar kein Bock hab. Ich möchte eigentlich nur hier liegen und für einen Moment ignorieren dass es Zeit gibt.

Ich gucke in letzter Zeit viele Dokus über den Weltraum und die Entstehung des Universums. Es erschließt sich mir nicht, warum ich, ein unbedeutendes Lebewesen in einer Galaxie, sich den ganzen Tag selbst hasst, sich und den Nagellack, während woanders grade Sterne sterben, oder eine andere Erde hinter einem Ereignishorizont verschwindet.

Ich persönlich wünsche mir ja, dass schwarze Löcher einfach Wurmlöcher sind, die uns zu unseren Parallelwelten führen, aber ich glaube eigentlich dass sie nichts anderes sind als ein Strudel im Weltraum, wie im Wasser, nur mit anderen Kräften. Vielleicht ist dort der Weltraum auch einfach nur traurig. Vielleicht hat es ja auch einen Heulpullover. Wenn der Weltraum wirklich traurig sein könnte, dann wäre es auch okay wenn ich stundenlang hier rumliege, blogge und mich einfach hasse, ohne etwas Sinnvolles zu tun. Was Lebewesen eben so auf Planeten tun. Leben. Vermehren. Oder so.

Depressionen. Wie unbedeutend ist das alles, wenn irgendwo eine Sonne brennt. Immer wieder frage ich mich das nach einer schlaflosen Nacht, wenn die Sonne aufgeht und sich ein einziger Strahl in mein Zimmer kämpft, es Gold färbt, mir den Staub in der Luft zeigt und mich auf einem Auge halb blind macht, weil ich direkt reingeguckt habe. So ein Feuerplanet guckt mich einfach grade an und strahlt mir ins Auge. Habt ihr euch das mal bewusst gemacht?

Ich liebe es, mich mit dem Universum zu beschäftigen, aber mich damit zu beschäftigen tut mir eigentlich nicht gut. Es führt dazu, mich noch unbedeutender und sinnloser zu fühlen, als es eh schon der Fall ist. Tut mir Leid, Sonne.

Kissen aufschütteln

Der Geruch des Sommers erinnert mich an zu Vieles. Wisst ihr, ich sitze auf einem Motorrad und genieße die Freiheit dabei, aber gleichzeitig kriege ich eine Panikattacke in einem Bus. Nur weil ich das Gerät nicht selber fahre? Vielleicht. Kontrolle abgeben und so. Manchmal überlege ich mir was ich noch für Ziele habe, oder was mich in diesem Leben wirklich noch glücklich machen könnte, und ich lande fast immer bei Tieren. Ich möchte mal mit einem Babyelefanten spielen. Jap. Wenn es mir richtig schlecht geht, dann denke ich an einen Babyelefanten. Und daran dich zu berühren. Ich meine ernsthaft den Typen da neben mir, mit dem ich mich grade gestritten habe, weil ich ihn geweckt habe, als ich eine Spinne getötet hatte die im Bett war. Der Typ kann mich so wütend machen, aber irgendwie hat er auch was von einem Tier, und ich mag ja Tiere. Aber er hat definitiv nichts von einem Babyelefanten. Irgendwie hat er mehr was von einem Puma.
Das Problem mit solchen Sachen wie Erinnerungen ist, dass man sie gar nicht erst aufschütteln darf, sonst purzeln da ganz viele Spinnen und andere eklige Dinge heraus. Deswegen belasse ich es meist dabei, mich daran zu erinnern dass ich weiteratmen muss, wenn es mal wieder ganz schlimm ist.

Man, mein Freund hat echt Ähnlichkeit mit diesem Puma.

Ein ganzer Lebensraum

Ich habe früher immer gerne behauptet, und tue es heute noch, dass ich vor nichts Angst hätte, dabei ist das nur meine Strategie um damit klarzukommen, dass ich vor so vielem Angst habe. Aber es sei gesagt, es hilft. Ich rede mir vieles ein und vieles aus, um mich zu einem Menschen zu formen der stark ist. Aber ich weiß eigentlich nicht, ob mich das auch zu einem glücklichen Menschen macht. Wie oft muss ich mich verbiegen, um irgendwo bei dir anzukommen? Warum habe ich mehr Angst davor ich selbst zu sein, als davor dass du irgendwann nicht mehr dort auf mich wartest? Ich weiß dass du meine Seite nicht verstehen kannst. Aber ich erfinde ein komplettes zweites Leben, nur um dich schlafen zu sehen. Und ja, manchmal erfinde ich auch uns in einer Realität, die in vier Wände passt. Ich weiß du hasst das, aber nimm mir bitte den Platz nicht weg, wo ich mir manchmal sogar selber glaube, dass ich keine Angst habe. Nimm mir dich nicht weg.

Warme Gedanken

Manchmal brauche ich die Wärme so sehr. Ich schwitze unter meinen Pulloverschichten, an meinem Rücken klebt es, glaube ich. Wenn alles nass ist, dann spürst du das auch gar nicht mehr. Ich versuche die Erinnerungen an die Kälte zu töten, aber wahrscheinlich müsste ich dafür meinen Kopf anzünden. Vernichtung. Wenn ich nicht an eine Seele glauben würde, hätte ich das wohl schon längst getan. Ich habe Angst, dass wenn ich sterbe, es überhaupt kein Entkommen ist, sondern die Ankunft an etwas, von wo ich nicht mehr wegkomme. Eigentlich weiß ich gar nicht ob ich jetzt träume, oder ob ich mir das alles vorstelle, aber eigentlich macht das auch kaum einen Unterschied. Gedanken, Erinnerungen, Träume, sind doch sehr verwandt miteinander.

Zu verschenken

Ich weiß gar nicht wohin mit mir. Wohin mit meinem Herz und Hirn und allen anderen Habseligkeiten, die ich sonst immer in der Welt verteile. Eigentlich ist mein Körper nur ein alter Karton, auf dem mit Edding „zu verschenken“ steht und jeder nimmt sich heraus was er grade braucht. Er ist offen wie eine Wunde. Die Angst ist mir immer einen Schritt voraus. Und da ist so viel Kälte, ich spüre den Winter in mir. Manchmal fühle ich mich so fragil, als wäre meine Seele gefroren und als könnte man sie mit nur einem gezielten Schlag in tausend Einzelteile zerspringen lassen.

Manchmal frage ich mich, was am Ende dann noch von mir übrig bleibt.

Wege gehen

Ich gucke mir derzeit viele Tutorials an, aber eigentlich nur, um diese dann nicht mal zu befolgen. Das ist typisch für mich. Das ist so als wenn man jemanden um seine Meinung bittet und am Ende dann umso mehr den Ratschlag nicht beherzigt und lieber das tut, was man selbst für richtig hält.

Manchmal wundere ich mich dann darüber, dass ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin, denn das kann ja unmöglich daran gelegen haben, dass ich vielleicht mal auf jemand anderen hätte hören sollen.

Ich glaube ich bin einfach jemand, der aus Erfahrungen lernen muss.